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In Tübingen haben wir das Privileg, an einer Uni mit Schloss zu studieren. Und mit „Schloss“ meine ich ein richtiges Schloss mit Türmen und allem drum und daran, welches 1087 das erste Mal erwähnt wurde und somit auf eine lange Geschichte zurückblickt. Einige Fächer, wie z.B. die Ethnologie, haben das besondere Glück, ihre Institute IM Schloss zu haben, was dann zwar bedeutet, dass man fast täglich einen nicht ganz unsteilen Berg hochsteigen muss um seine Seminare und Vorlesungen zu besuche (was vor allem mit schwerer Tasche echt anstrenend sein kann), was aber auch heißt, dass man in wunderbaren Räumlichkeiten lernen kann, von denen aus man einen wunderschönen Blick über Tübingen und Umgebung hat.  Das Schloss und sein Museum (das man als Student umsonst besuchen kann) sind natürlich auch ein Touristenmagnet, weshalb es durchaus sein kann, dass man gerade ein Referat hält und auf einmal verwirrte Japaner im Raum stehen und anfangen, ganz begeistert Photos zu schießen, weil sie denken, dass wir zum Schlossinventar gehören. Auch kommen manchmal große Persönlichkeiten auf das Schloss, z.B.  kam vor ein paar Semestern mal die Prinzessin von Thailand vorbei. Aber meistens sind es dann doch eher Schulklassen aus Italien oder Frankreich.

Im Sommer ist es auf dem Schloss besonders schön. Dann ist der Springbrunnen des Schlossinnenhofes in Betrieb, in dem sich Tauben baden. Der Schlossinnenhof ist allgemein ein wundervoller Ort. Mit seiner Balustrade, die im Übrigen direkt in unser Ethno-Institut führt, verleitet er mich jedesmal zum Träumen. Wie muss es früher gewesen sein, wenn rauschende Feste gefeiert wurden. Wie kamen die Menschen den Hügel hinauf, hat man Hufgeklapper auf dem Kopfsteinpflaster gehört? Wie war die Sicht, als noch nicht alles mit hohen Gebäuden vollgebaut war? Wer hat in den Türmen gewohnt? Waren die Menschen glücklich? Und und und.

Im Sommer blühen außerdem die Blumen vor der alten Sternwarte, die Studenten sitzen draußen im Schatten unter den Bäumen und warten auf die nächste Vorlesung, währen Eidechsen sich entweder sonnen oder aufgescheucht von Mauerspalt zu Mauerspalt huschen. Abends finden „Fledermausführungen“ statt, da es ein großes Weinfass im Schloss gibt, in dem sich Fledermäuse eingenistet haben. Zusätzlich alldem beinhaltet der Schlossgraben eine Bogenschießanlage, an der auch häufig gegrillt wird.

Doch auch wenn es nebelig ist, bin ich sehr gerne auf „meinem“ Schloss. Vor allem wenn man oben ist, und merkt, dass die Wolken so tief hängen, dass man gerade mitten in einer steht. Dann kann man natürlich nicht auf Tübingen schauen. Aber hey, man steht in einer Wolke, wie cool ist das?

Im Schloss wurden auch schon bedeutende wissenschaftliche Fortschritte gemacht, wurde doch 1869 in der Schlossküche (dem heutigen Sekretariat) durch Friedrich Miescher das Nuklein entdeckt. Das gibt einem natürlich ein besonderes Gefühl der Ehre, in diesen wunderbaren Gemäuern studieren zu dürfen. Schade, dass ich mit Ethnologie schon fertig bin. Denn wenn man nicht aufrgund von Veranstaltunen hoch laufen „muss“, kommt man doch seltener in den Genuss der Aussicht und Atmosphäre des Schlosses. Manche Studenten, die z.B. Naturwissenschaften studieren und deren Institute somit fernab des Schlosses liegen, waren sogar noch nie hier oben. Dabei lohnt sich die Anstrengung allemal.

Oder was meint ihr?

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