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Da ich jetzt im Hostel in Jerusalem bin und endlich Internet habe, kann ich nun endlich auch mal ein bisschen mehr schreiben über meinen Aufenthalt hier. Morgen ist Yom Kippur, bzw. ab heute Abend. Daher sind alle Geschäfte zu, kein Auto fährt und ich werde genug Zeit haben über die vergangene Woche zu berichten. Auch wenn es ein bisschen durcheinander wird. Ich beginne mit Jerusalem, obwohl ich hier erst den dritten Tag bin.

Ich habe das große Glück, dass Thorsten gerade auch hier ist. Er kennt sich super gut aus und hat mir die Altstadt von Jerusalem mit seinen vielen verschiedenen religiösen Vierteln gezeigt.

Begonnen haben wir mit dem muslimischen Viertel und seinen vielen kleinen Geschäften für Souveniers oder jeglichen religiösen Bedarf. Zum Glück war es an diesem Samstag nicht so voll und wir konnten uns relativ frei bewegen. Als erstes führte Thorsten mich auf das Dach eines Österreichischen Hospiz von welchem wir einen wunderbaren Blick auf die Altstadt hatten…. gerade als der Muezzin die Muslime zum Gebet rief.

An dem Hospiz entlang führt die Via Dolorosa – der letzte Weg den Jesus vor seiner Kreuzigung beschritten haben soll. Er führt steil hinauf zur Grabeskirche und steht an dem Ort, an dem Jesus gekreuzigt und begraben worden sein soll. Dazu aber später mehr.

Wir sind zu erst zur Klagemauer gegangen. Der Eingang dorthin ist mit einer Sicherheitskontrolle versehen, die aber wirklich sehr lasch ist. Vor der Klagemauer waren unglaublich viele touristische Gruppen anwesend, sowie israelische Soldaten auf Ausflug und jüdische Kinder-Gruppen. Der Bereich vor der Klagemauer ist in zwei Bereiche geteilt. Einer für Männer und ein kleinerer für Frauen. Als ich da war, war der Herren-Bereich sehr leer, dafür der für die Frauen sehr voll. Da man sich an so einem heiligen Ort natürlich züchtig anziehen muss, sah man diverse Frauen (vornehmlich aus Ost-Europa) die sich provisorisch am Ober- als auch am Unterkörper mit diversen Tüchern bedeckten um überhaupt zu diesem Ort gelangen zu können. Ich war also nun mitten in dem Gewusel aus Frauen, die an oder vor der Mauer beteten oder ihre Gebete in die Ritzen der Mauer steckten – und ich glaube es war das erste Mal, dass ich Juden live beim Gebet zusah.

Es ging wieder zurück zur Via Dolorosa, auf der christliche Besucher den Leidensweg Jesu nachempfinden. Der schmale Weg ist wirklich voll von Menschen doch Thorsten kannte eine Abkürzung, die scheinbar auch die Mönche kennen, und so konnte ich zwar nicht den Leidensweg Jesu nachempfinden, kam dafür aber schneller hoch zur Grabeskirche. Und auch die Abkürzung war nicht gerade „unbeschwerlich“.

In der Grabeskirche sieht man gleich zu Beginn den Stein auf dem Jesu nach seiner Kreuzigung eingesalbt wurde. Die gläubigen Besucher der Kirche knien vor Ihm nieder und küssen ihn. Für mich alles ein bisschen merkwürdig – vor allem wenn es wieder die provisorisch bedeckten, eigentlich halbnackten Damen machen… In der Kirche sind mehrere christliche Konfessionen ansässig, die in ihren Teilen der Kirche ihren Gottesdienst abhalten. Jeder Teil hat seinen ganz eignen Charme und man merkt, aus welcher Konfession wie viele Besucher kommen. Ein paar Bereiche waren ziemlich leer.

Gleich in der Nähe ist die Omar-Moschee, die Thorsten schon immer mal angucken wollte, aber sie ist nur für Muslime zum Gebet gedacht. Sollte uns aber nicht abhalten, also kurzerhand einen herauskommenden Mann gefragt, ob wir rein können und uns die Moschee angucken dürfen, der hat sofort ja gesagt, sofern ich mich korrekt anziehe. Alles kein Problem, Tüchlein rausgeholt um Kopf gewickelt und rein. Leider eine komplette Enttäuschung für den architektonischen Bewunderer: die Moschee dient wirklich nur zum Beten. Viel zu sehen gab es – ganz besonders im Frauenbereich leider nicht.

Also weiter durch das christliche Viertel und eine kurze Rast einlegen in einem Cafe über den Dächern der Altstadt – wirklich eine traumhafte Aussicht hier. Und das gerade beim perfektem Licht am frühen Abend.

Als nächstes ging es dann ins jüdische Viertel, dass durch einen Krieg erheblichen Schaden genommen hat und dadurch ganz anders, viel moderner aussieht als der restliche Teil der Altstadt. Hier findet man auch Ausgrabungen von Verkehrsstraßen, die die Römer hinterlassen haben. Da es hier etwas weitläufiger ist, ist es nicht ganz zu wuselig wie im arabischen Viertel. Vielleicht lag es auch an der immer später werdenden Stunde, aber dennoch war relativ viel los auf den Gassen und Plätzen, auf denen jüdische Familien den Abend mit ihren Kindern verbrachten.

Zuletzt ging es dann ins armenische Viertel, in dem man nicht wirklich was sieht. Die „Häuser“ sind einfach nur lange Mauern mit einzelnen winzigen Fenstern, hintern denen sich dann die Häuser bzw. Wohnungen verstecken. Eingänge soll, ja muss es geben, ich habe jedoch keinen gesehen…

Als wir aus der Altstadt heraus kamen, sahen wir ein herrliches Panorama über Jerusalem – inklusive Sonnenuntergang und langsam hervorkommender Mondsichel. Ein herrlicher erster Tag in der Heiligen Stadt.


Gestern, also einen Tag später, sind wir dann nochmal in die Altstadt um den Felsendom und die al-Aqsa Moschee, die drittwichtigste Moschee der Muslime zu sehen. Als Tourist kann man sie nämlich nur morgens und zwischen den Gebetszeiten besuchen. Aber diese goldene Kuppel des Felsendoms aus der Nähe zu sehen und die faszinierenden Mosaikarbeiten an der Außenwand zu betrachten ist das frühe Aufstehen und Anstehen auf jeden Fall wert!

 

 

 

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